SchaLL.Welle Folge 6 - Wichtige Renteninformationen für tarifbeschäftigte Lehrkräfte

Rentenexperte Dirk Schuchardt, der seit rund 25 Jahren die Rentenseminare für SchaLL.NRW hält, im Dialog mit Gesa von Stebut (Moderation), Stefan Nierfeld (Vorsitzender) und Thomas Altland (2. Vorsitzender) zum Thema Rente - Folge 6 des Podcasts SchaLL.Welle.

Themen der Folge: die Unterschiede zwischen Renteninformation, Rentenauskunft und Rentenbescheid, die Gerechtigkeitslücke zwischen angestellten und verbeamteten Lehrkräften, die 33 Empfehlungen der Rentenkommission, verfassungsrechtliche Hintergründe des Berufsbeamtentums, internationale Vorbilder aus Österreich und der Schweiz sowie ganz praktische Tipps zu Risikoabsicherung und Altersvorsorge.

 

Die Rente ist laut Schuchardt „ein Spiegelbild des versicherten Erwerbslebens“. Als Faustregel gibt es pro 1.000 Euro Bruttoverdienst etwa 80 Cent Rente. Schul- und Studienzeiten gelten nur als beitragsfreie Anrechnungszeiten und erhöhen die Rente nicht. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt drei Dokumente:

  • Renteninformation: jährlich ab 27 Jahren

  • Rentenauskunft: ab 55 automatisch, vorher jederzeit formlos auf Anfrage

  • Rentenbescheid: am Ende des Erwerbslebens

Die Renteninformation zeigt nur Bruttobeträge und sagt nichts über Hinterbliebenenrenten. Die unterschätzte Rentenauskunft enthält dagegen alle Rentenarten, die Wartezeiten und eine Schätzung der Witwen- bzw. Witwerrente. Damit ist sie eine wichtige Grundlage für die Absicherung von Risiken.
 

Die Gerechtigkeitslücke

Die Unterschiede liegen bei 500 bis über 1.000 Euro im Monat. Sie entstehen durch zwei verschiedene Systeme: Die Beamtenpension richtet sich nach dem letzten Amt, was zum „Beförderungsfieber“ kurz vor dem Ruhestand führt. Die gesetzliche Rente richtet sich nach dem Durchschnittsverdienst des gesamten Berufslebens. Stefan Nierfeld hat als angestellter Ex-Lehrer trotz Zusatzversorgung etwa 1.000 bis 1.500 Euro netto weniger als vergleichbare Beamte.
 

Rentenkommission und Grundgesetz

Die Kommission schlägt unter anderem vor, dass eine Beförderung erst 5 bis 10 Jahre vor der Pensionierung zählt. Was davon zum 1.1.2027 Gesetz wird, ist offen, auch wegen der Landtagswahlen in Ostdeutschland. Die rechtliche Wurzel der Ungleichbehandlung ist Art. 33 Abs. 5 Grundgesetz. Schuchardt fragt deshalb grundsätzlich, wo eine Verbeamtung überhaupt nötig ist, etwa nur bei Justiz und Bundeswehr. Als Hürden nennt er die nötige Einigung von Bund und 16 Ländern und die fehlende Solidarität der Beamtengewerkschaften.

Kritisiert wird auch, dass in der Kommission keine Betroffenen mit Stimmrecht saßen. Als Vorbilder gelten Österreich und die Schweiz: Österreich zahlt nach rund 20 Jahren Übergang heute 400 bis 600 Euro mehr Durchschnittsrente, die Schweiz hat eine gemeinsame Kasse für alle. Die Gäste rufen zur Demonstration am 26. September auf.
 

Was sich für Lehrkräfte ändert

Kritisch sehen die Gäste die längere Lebensarbeitszeit. Außerdem ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren für die meisten Lehrkräfte wegen des langen Studiums kaum erreichbar. Oft bleibt nur die Rente ab 63 mit 14,4 % Abschlag. Diesen Abschlag auszugleichen ist möglich, aber teuer. Walter Riester wird zitiert: Eine Reform braucht Mehrheiten.
 

Persönliche Vorsorge

Die Empfehlung lautet, mindestens 15 % des Nettoeinkommens für das Alter zurückzulegen. Das sei „sportlich“. Vor dem Vermögensaufbau kommt aber die Absicherung von Risiken:

  • Berufsunfähigkeits- bzw. Erwerbsminderungsschutz, möglichst früh abgeschlossen

  • private Haftpflichtversicherung

  • Risikolebensversicherung über das 3- bis 5-Fache des Jahresbruttos, mindestens 100.000 Euro, auch für nicht erwerbstätige Elternteile

Von kapitalbildenden Lebensversicherungen wird abgeraten. Beim Anlegen helfen das „magische Dreieck“ aus Rentabilität, Liquidität und Sicherheit und eine Streuung über ETFs, Immobilien und eventuell Gold. Vorsorge wird oft aufgeschoben, weil sie anders als ein Neuwagen keine soziale Anerkennung bringt. Die wichtigste Empfehlung der Folge ist die kostenlose, werbefreie Digitale Rentenübersicht der Deutschen Rentenversicherung. Mit der Online-Ausweisfunktion zeigt sie alle Ansprüche auf einen Blick.
 

Weitere Missstände

Angestellte fallen nach 78 Wochen Krankheit ins Arbeitslosengeld I. In Duisburg dagegen wurde eine verbeamtete Lehrkraft 16 Jahre lang unbemerkt weiterbezahlt. Rund die Hälfte aller Erwerbsminderungsrenten hat psychische Ursachen, was die Frage nach der Verantwortung der Arbeitgeber aufwirft. Die Vorstandsmitglieder berichten von Überlastung, baulichen Mängeln und fehlender Wertschätzung im Lehrberuf.
 

Ausblick

Am 21. November 2026 findet das nächste Rentenseminar von SchaLL.NRW statt, unter anderem zu Mütterrente, Scheidung und Rentenarten. Für eine persönliche Beratung verweist Schuchardt an die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

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SchaLL.Welle Folge 5 - Gewalt gegen Lehrkräfte und der Rolle der Unfallkasse NRW

Im Podcast SchaLL-Welle fragt der SchaLL-Lehrer:innenverband, wie Schulen in NRW zu sicheren Lernorten werden können. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gewalt gegen Lehrkräfte und der Rolle der Unfallkasse NRW. Diese bewegt sich zwischen Prävention, Absicherung und konkreter Unterstützung im Alltag.

Im Gespräch mit dem Lehrer:innenverband SchaLL.NRW erklärt Dr. Gerrit Schnabel den Auftrag der Unfallkasse. Sie schützt Schüler:innen und Beschäftigte gesetzlich, erfasst Gewaltvorfälle über Unfallanzeigen und entwickelt Präventionsangebote. Dazu gehören der Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule“ und das Programm „Bildung und Gesundheit“. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Vorfälle nicht gemeldet werden. Gründe sind das befürchtete Negativ-Image bei Vorfällen/Delikten oder einfach die Arbeitsüberlastung der Schulleitungen. Außerdem fehlt ein einheitliches Meldesystem für alle Lehrkräfte.

 Die Folge zeigt konkret, wie bauliche Sicherheit, digitale Alarmierungs-Apps und klare Notfallstrukturen zusammenwirken sollten. So sollen Lehrkräfte sich nicht allein gelassen fühlen. Es wird die Spannung diskutiert zwischen Verhaltensprävention wie Fortbildungen und Trainings sowie echter Verhältnisprävention. Letztere meint strukturelle Verbesserungen, zum Beispiel mehr Personal, moderne Gebäude und verlässliche Krisenpläne. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf COPSOQ. Dieses Instrument erfasst psychosoziale Belastungen. Die Beteiligung sinkt, weil die gesammelten Daten zu selten zu Änderungen führen. Dabei steckt darin ein „Schatz an Informationen“ für gezielte Maßnahmen.

Am Ende nennt Schnabel drei wichtige Stellschrauben: mehr gesellschaftliche Verantwortung für ein faires Miteinander, eine konsequentere Nutzung der Krisen- und Notfallkonzepte sowie ein besseres Zusammenspiel von Schulträgern, Schulaufsicht, Schulleitungen und der Unfallkasse. Der Podcast macht deutlich, dass sichere Schulen keine Aufgabe einzelner engagierter Lehrkräfte sind. Vielmehr ist es gemeinsame Strukturarbeit aller Beteiligten. So soll Gewalt gegen Lehrkräfte nicht zur Normalität werden.

Was leistet die Unfallkasse NRW ganz konkret für Schulen – abgesehen von Paragrafen und Pflichtversicherungen?

 Dr. Schnabel erklärt im Gespräch, wie die Unfallkasse NRW Schulen mit praxisnahen Präventionsmaterialien, Beratung vor Ort, Fortbildungen und begleiteten Präventionsprogrammen unterstützt. Dabei geht es um Sicherheit, Gesundheit sowie Gewalt- und Krisenprävention. Im Mittelpunkt steht außerdem der Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule“, der als finanzieller Anreiz für nachhaltige Präventionsarbeit dient. Zudem stellt die Unfallversicherung nach Unfällen verschiedene Leistungen bereit – von der Behandlung über die Rehabilitation bis zur Teilhabe.

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SchaLL.Welle Folge 4 - Strategien zur Gewaltprävention an Schulen

In der Folge 4 der SchaLL.Welle spricht Stefan Nierfeld, Vorsitzender SchaLL. NRW, mit dem renommierten Gewaltpräventionsforscher Prof. Dr. Herbert Scheithauer aus Berlin über Gewalt an Schulen und Gewalt gegen Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen. Ausgangspunkt sind steigende Fallzahlen, mediale Schlagzeilen und die Frage: Nimmt Gewalt wirklich zu – oder hat sich vor allem unser Blick, die Sensibilität und das Meldeverhalten verändert?

Prof. Scheithauer ordnet Hell- und Dunkelfeldstatistiken ein, verweist auf Langzeitstudien, die eher stabile oder rückläufige Gewaltzahlen zeigen, und erklärt, warum sich die gesellschaftliche Stimmung dennoch deutlich bedrohlicher anfühlt. Dabei geht es unter anderem um Mobbing, relationale Aggression, digitale Übergriffe, geschlechtsspezifische Gewaltformen gegenüber Lehrkräften und die Rolle von Medien und Social Media.

Der Podcast beleuchtet außerdem konkrete Erfahrungen aus Schulen: von alltäglichen Bedrohungen und mangelnder Unterstützung durch Schulleitungen bis hin zu schweren Gewalttaten, die bundesweit Schlagzeilen gemacht haben. Diskutiert werden strukturelle Defizite wie fehlende einheitliche Meldewege, ein „Flickenteppich“ von Präventions- und Alarmierungssystemen sowie die Überlastung vieler Lehrkräfte.

Gleichzeitig zeigt Prof. Scheithauer auf, welche Präventionsprogramme und Fortbildungsangebote es bereits gibt – etwa Fairplayer, NetWas oder das Fairplay Manual – und warum es so schwer ist, sie flächendeckend in einem großen Bundesland wie NRW umzusetzen. Es geht um Beziehungsarbeit, sozial-emotionales Lernen und die Frage, wie Schulen sichere Orte bleiben können, trotz Fachkräftemangel, hoher Belastung und gesellschaftlicher Krisenlage.

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SchaLL.Welle Folge 3 - TV-L Tarifverhandlungen 2025/26

Zum Jahreswechsel 2025 / 2026 laufen aktuell die TV-L Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder (außer Hessen) zwischen dem dbb beamtenbund und tarifunion, ver.di und der Tarifgemeinschaft der Länder TdL. In einer ersten Runde lehnten die Arbeitgeber ein Angebot an die Gewerkschaften ab, im neuen Jahr wird weiterverhandelt. Neben der Forderung nach der Erhöhung der linearen Tabellenentgelte von 7% und weiteren Nebenbedingungen steht auch (wieder) die 1:1-Übertragung der erzielten Tarifergebnisse für die verbeamteten Kräfte im Länderdienst aus. Vergleiche zwischen Tarifbeschäftigten und Verbeamteten werden oft als Vergleich zwischen Äpfel und Birnen vom Tisch gefegt; bei der Übertragung von Entgeltsteigerungen auf die Beamt:innen beruft man sich aber gern auf die Alimentation und passt entsprechend auch die Besoldung an. Stefan Nierfeld, Vorstandsvorsitzender SchaLL.NRW diskutiert über die laufenden Tarifverhandlungen mit Rainer Lummer, 3. Vorsitzender von SchaLL.NRW und Jürgen Dolata, ehemalige tarifbeschäftigte Lehrkraft und Mitglied bei SchaLL.NRW aus Gütersloh.

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SchaLL.Welle Folge 2: Familienzuschlag - nur für Beamt:innen?

Der Familienzuschlag ist von zentraler Bedeutung für die Entlohnung von Lehrkräften und hat erhebliche Auswirkungen auf ihr berufliches und privates Leben. Dieser Podcast beleuchtet die Entwicklungen im Bereich des Familienzuschlags für tarifbeschäftigte und verbeamtete Lehrkräfte und zeigt auf, wie diese Veränderungen das Einkommen und die Lebenssituation der Lehrkräfte beeinflussen.

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SchaLL.Welle Folge 1 - Schule als geschützter Lernort

Leider ist es ein trauriger Anlass in Essen vergangene Woche, der dem neuen Podcast SchaLL.Welle zum Thema “Sicher Lernen. Prävention bei Gewalt gegen Lehrkräfte” aktuell in den Fokus rückt. Wir sprechen mit Hans-Walter Borries vom BSKI Bundesverband zum Schutz kritischer Infrastrukturen über Maßnahmen an Schulen, die Lernorte morgen schützen können.

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