Wahlprüfsteine
An die Landtagskandidaten von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Linke
Sehr
geehrte Damen und Herren,
die Schutzgemeinschaft
angestellter Lehrerinnen und Lehrer in NRW (SchaLL-NRW) gibt anlässlich
der Landtagswahl 2010 in NRW erneut Wahlprüfsteine an die Parteien
heraus.
Der
Vorstand von SchaLL-NRW wird die Antworten auswerten und die Ergebnisse
seinen Mitgliedern und der Öffentlichkeit präsentieren.
Auf
der Grundlage der gegebenen Antworten wird der Vorstand von SchaLL-NRW
den 37.000 angestellten Lehrern in NRW eine
Wahlempfehlung geben.
Einige
unserer Fragen haben wir Ihnen so oder so ähnlich bereits 2005 gestellt.
Zu Ihrer Information und zur Erinnerung haben wir Auszüge aus den
Antwortschreiben der Parteien aus dem Jahr 2005 beigefügt. Die
vollständige Sammlung Ihrer Antworten finden Sie auf unserer Homepage www.schall-nrw.de. Klicken Sie einfach den Link "Wahlprüfsteine" in der
Website-Navigation an.
Wir bitten Sie,
die Wahlprüfsteine bis spätestens 02. April 2010 zu beantworten.
Für den Vorstand von SchaLL-NRW
Heinz-Werner Müller, 1.
Vorsitzender
Ginsterweg
24, 47447 Moers
e-mail:
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Kontoverbindung:
Volksbank Paderborn Blz: 472 601 21, Kontonr: 8825445000
Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2010
in NRW
1. Gilt auch für Sie der alte
gewerkschaftliche Grundsatz, der als Leitsatz die Arbeit der SchaLL-NRW
prägt : “Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“?
2.
Sind Ihnen die gravierenden Unterschiede zwischen tarifbeschäftigten
und beamteten Lehrerinnen und Lehrern bekannt, die seit Jahren zur
Benachteiligung der Tarifbeschäftigten unter anderem in den Bereichen
Entgelt, Alterssicherung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall führen
und seit Ablösung des BAT durch den TV-L verschärft wurden und erkennen
Sie die genannten Tatbestände an?
3. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen von
Nettogehaltunterschieden von etwa 500 € pro Monat auf die Motivation und
Arbeitszufriedenheit der tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer
sowie auf den sozialen Frieden an den Schulen in NRW?
4.
Sollte ein öffentlicher Arbeitgeber wie das Land NRW nicht eine
Vorbildfunktion bezüglich Arbeitsbedingungen und gerechter Entlohnung
einnehmen?
5. Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass
viele tarifbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer, trotz des in einigen
Schulformen eskalierenden Lehrermangels, z.B. nach Hessen abgeworben
werden konnten?
6. SchaLL weist seit seiner Gründung 2001
alle Parteien auf die gravierenden Benachteiligungen der steigenden Zahl
(von ca. 28.000 im Jahr 2001 auf 37.000 im
Jahr 2010) tarifbeschäftigter Lehrerinnen und Lehrer hin. Was hat Ihre
Partei seitdem unternommen, um diesen unhaltbaren Zustand zu ändern?
7.
Welche Maßnahmen gedenkt Ihre Partei zukünftig zu ergreifen, um die
Forderungen von SchaLL nach“ Gleichen Lohn für gleiche Arbeit“
umzusetzen?
Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2010 in NRW
(mit Antworten zu den Wahlprüfsteinen aus 2005)
1.
Gilt auch für Sie der alte gewerkschaftliche Grundsatz, der als
Leitsatz die Arbeit der SchaLL-NRW prägt : “Gleicher Lohn für gleiche
Arbeit“?
Antworten aus
2005:
CDU:
"Es ist wichtig, dass die Bezahlung sich an
Ausbildung und Arbeitsleistung orientiert...."
SPD: "Diesen Grundsatz unterstützen wir nachdrücklich
im Rahmen der Tarifautonomie."
Bündnis 90/Die Grünen: "...Deshalb plädieren wir Grüne für die
Abschaffung des Beamtentums für Lehrerinnen und Lehrer, für ein
einheitliches Grundgehalt an allen Schulformen und für
Leistungszuschläge auf der Grundlage klar definierter Kriterien.
FDP: "Einkommensdifferenzierungen
sollten daher stets an Leistungsunterschieden festgemacht werden und
nicht am formellen Vertragsstatus einer Lehrkraft."
PDS (heute Linke): "Gleicher Lohn für gleiche
Arbeit ist wesentlicher Bestandteil des Grundsatzprogramms der PDS."
2. Sind Ihnen die gravierenden Unterschiede zwischen
tarifbeschäftigten und beamteten Lehrerinnen und Lehrern bekannt, die
seit Jahren zur Benachteiligung der Tarifbeschäftigten unter anderem in
den Bereichen Entgelt, Alterssicherung und Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall führen und seit Ablösung des BAT durch den TV-L
verschärft wurden und erkennen Sie die genannten
Tatbestände an?
Antworten aus 2005:
CDU: "Es gibt
offensichtliche Unterschiede bei der Besoldung von beamteten und
angestellten Lehrerinnen und Lehrern in Nordrhein-Westfalen."
SPD: "....Beim Beamten- und Angestelltenstatus handelt es sich um
gleichwertige Beschäftigungsverhältnisse,
die dennoch strukturell unterschiedlich gestaltet sind. Gleichwohl ist eine unterschiedliche
Einkommenssituation festzustellen...Allerdings
muss auch festgestellt werden, dass die Unterschiede zwischen den Bezügen wesentlich geringer geworden
sind..."
Bündnis 90/Die Grünen: "Die ungleiche Behandlung angestellter und verbeamteter
Lehrerinnen und Lehrer liegt auf der Hand.... Die
angestellten Lehrerinnen und Lehrer erhalten die für Angestellte im
Staatsdienst übliche Besoldung. Unser Ziel ist die Schaffung eines
einheitlichen Dienstrechtes, in das der BAT und das Beamtenrecht
eingehen...."
FDP: "
...Die unter dem Strich vorhandene SchlechtersteIlung von
angestellten Lehrkräften ist nicht sachgerecht und muß überwunden
werden..."
PDS (heute Linke):
"...Deshalb sehen wir auch die sozialen und rechtlichen
Diskriminierungen der angestellten Lehrer in NRW."
3. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen von
Nettogehaltunterschieden von etwa 500 € pro Monat auf die Motivation und
Arbeitszufriedenheit der tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer
sowie auf den sozialen Frieden an den Schulen in NRW?
Antworten aus 2005:
CDU: "Es
gibt offensichtliche Unterschiede bei der Besoldung von beamteten und
angestellten Lehrerinnotivation, Arbeitszufriedenheit und
sozialer Friede in einer Schule sollten nicht nach Gehaltsklassen
beurteilt werden. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sollte im
Vordergrund stehen und wichtigstes Anliegen sein."
SPD: " Die
generelle Aussage, dass der finanzielle Unterschied etwa 500 Euro
entspricht, ist auch unter
Zuhilfenahme der Anlage nicht so ohne weiteres nachvollziehbar....Motivierte Lehrerinnen und Lehrer sind zwingende Voraussetzung
für eine gute Schule. Dementsprechend werden wir uns um dieses Problem kümmern."
Bündnis 90/Die Grünen: "....Allerdings kann die Bezahlung nicht alleiniger
Motivationsfaktor im Rahmen der Berufstätigkeit sein. Auch kann von
Lehrerinnen und Lehrern, die ein gutes Gehalt - wenn auch ein
schlechteres als verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer - haben, erwartet
werden, dass dieser Konflikt sich nicht negativ auf das Schulklima
auswirkt."
FDP: " Die im sozialen Vergleich
wahrgenommene SchlechtersteIlung von Lehrkräften außerhalb des
Beamtenstatus führt bei den Betroffenen nachvollziehbarerweise zu
empfundener Ungerechtigkeit und dürfte sich daher auch nicht
motivationssteigernd auswirken."
PDS (heute Linke): "Wir stimmen der Einschätzung der
Schall in dieser Frage vollinhaltlich zu."
4. Sollte ein öffentlicher Arbeitgeber wie das Land NRW nicht
eine Vorbildfunktion bezüglich Arbeitsbedingungen und gerechter
Entlohnung einnehmen ?
Antworten aus 2005:
CDU: "Das
Land muss ein gerechter und verlässlicher Dienstherr sein. Die
Qualifikation, Ausbildung und Leistung sollen den verbindlichen
Bezugsrahmen für die Besoldung bilden."
SPD:"....Die Besoldung der
Beamten wird vorrangig durch den Bundesgesetzgeber bestimmt. Für den Tarifbereich werden die
entsprechenden Verträge von den Tarifvertragsparteien vereinbart. ....Gleichwohl - darauf wurde schon hingewiesen - wird sich die
SPD für eine einheitliche Behandlung einsetzen."
Bündnis90/Die Grünen: "Für die
Verbeamtung ist - aus Kostengründen für das Land - auch das
Einstellungsdatum relevant. Dies ist ausdrücklich im Beamtenrecht so vorgesehen und wird von allen Bundesländern entsprechend
gehandhabt."
FDP:
"Unter identischen Voraussetzungen liegt es insbesondere in der
Verantwortung öffentlicher Arbeitgeber, eine gerechte Entlohnung
sicherzustellen."
PDS
(heute Linke): " Bei der Umsetzung des Grundsatzes Gleiches Recht
für gleiche Arbeit sollte der öffentliche Arbeitgeber Vorbildfunktion
einnehmen."
5. Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass viele
tarifbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer, trotz des in einigen
Schulformen eskalierenden Lehrermangels, z.B. nach Hessen abgeworben
werden konnten?
Antworten aus 2005:
CDU: "Im
Unterschied zu Nordrhein-Westfalen können es sich andere Bundesländer
wie Hessen erlauben, die Altersgrenze zur Verbeamtung höher zu setzen
als in Nordrhein-Westfalen. Auch die Besoldung für Beamte ist dort
teilweise besser als in Nordrhein-Westfalen...."
SPD:
"....Da sich die Höhe der Besoldung nach bundesrechtlichen Vorgaben und die Höhe der Vergütung nach den
Eingruppierungsrichtlinien der Lehrer-Richtlinien der Tarifgemeinschaft
deutscher Länder richtet, werden grundsätzlich alle auch vergleichbaren
Lehrkräfte innerhalb der Bundesrepublik Deutschland gleich bezahlt..."
Bündnis 90/Die Grünen: "Eine erhebliche Abwanderung von Lehrerinnen und Lehrer in
andere Bundesländer ist uns nicht bekannt. Auch in anderen Bundesländern
gibt es Altersgrenzen für die Verbeamtung. Es freut uns besonders, dass
zurzeit verstärkt Referendarinnen und Referendare aus anderen
Bundesländern nach NRW kommen, weil in NRW die Einstellungschancen als
gut eingeschätzt werden."
FDP: "Die Lehrerflucht weg aus NRW aufgrund der
unattraktiven Beschäftigungssituation stellt unser Land vor große
Rekrutierungsprobleme und muß beendet werden."
PDS
(heute: Linke): "Die Kolleginnen und Kollegen werden in NRW
gebraucht. Deshalb sollte ihr Weggang vermieden werden."
6.
SchaLL weist seit seiner Gründung 2001 alle Parteien auf die
gravierenden Benachteiligungen der steigenden Zahl (von ca. 28.000 im
Jahr 2001 auf 37.000 im Jahr 2010)
tarifbeschäftigter Lehrerinnen und Lehrer hin. Was hat ihre Partei
seitdem unternommen, um diesen unhaltbaren Zustand zu ändern?
Antworten aus 2005:
CDU: "Durch einen Antrag im
Landtag hat sich die CDU bereits im Jahre 2001 für ein transparentes
Einstellungsverfahren und gerechte Arbeitsbedingungen eingesetzt. Unser
Ziel ist, die Einstellungs- und Beschäftigungsbedingungen in
Nordrhein-Westfalen so zu verbessern, dass unser Land Anschluss an die
Bedingungen in benachbarten Bundesländer erhält. Durch die Rot-Grüne
Schuldenpolitik ist dieser Anspruch allerdings nur schwer umzusetzen."
SPD: "...Ziel
der von SPD geführten Landesregierung ist es, den öffentlichen Dienst
zu reformieren und in diesem Zusammenhang auch Nachteile für die
Beschäftigten abzubauen.
Dies belegt u.a. die Einsetzung der so genannten „Bull-Kommission“. Die
Ergebnisse der Kommission - die ja auch von SchaLL zitiert wurden -
waren und sind Grundlage für notwendige Reformen."
Bündnis 90/Die Grünen: "Die Grüne Partei hat beschlossen, sich für einen Ausgleich der
durch die Nicht-Verbeamtung entstandenen Nachteile im Rahmen des BAT
einzusetzen."
FDP:
"...Für Parlamentsinitiativen der FDP-Landtagsfraktion zur
Verbesserung der Arbeits- und Leistungsgerechtigkeit verweise ich
exemplarisch auf die Landtagsdrucksachen 13/6020 ("Für eine gerechtere
Bemessung der Lehrerarbeitszeit") und 13/3047 ("Diskriminierung
angestellter Lehrer in NRW")."
7. Welche
Maßnahmen gedenkt ihre Partei zukünftig zu ergreifen, um die
Forderungen von SchaLL nach“ Gleichen Lohn für gleiche Arbeit“
umzusetzen ?
Antworten aus 2005:
CDU: "Das
Dienstrecht soll modernisiert und gerechter werden. Wer viel leistet,
muss mehr verdienen als derjenige, der sich auf das Pflichtmaß
beschränkt. Neben der Schaffung von Leistungsanreizen müssen
gleichzeitig Instrumente entwickelt werden, die schlechte Leistungen
sanktionieren. Statt wie Rot-Grün die Diskussion darüber zu verweigern,
werden wir uns für eine gerechte Besoldung der Lehrerinnen und Lehrer
einsetzen."
SPD: "Um zu einer einheitlichen Behandlung von Angestellten und Beamten zu kommen, tritt die SPD für
eine grundlegende Dienstrechtsreform ein. Dabei ist ein einheitliches
Personalrecht auf
tarifvertraglicher Grundlage zu schaffen. Eine umfassende tarifvertragliche Gestaltung, mit Ausnahme hoheitlicher Bereiche, ist zwingende
Voraussetzung zur Modernisierung
des öffentlichen Dienstrechts."
Bündnis 90/Die Grünen: "Wir Grüne plädieren für die Abschaffung des Beamtentums für
Lehrerinnen und Lehrer, für ein einheitliches Grundgehalt an allen
Schulformen und für Leistungszuschläge auf der Grundlage klar
definierter Kriterien."
FDP:"...Die FDP-Landtagsfraktion strebt ein neues
Dienstrecht für die Lehrerschaft an,..."
PDS
(heute Linke): "Da das Motto "Gleiches Recht für gleiche Arbeit"
Bestandteil des Grundsatzprogramms der PDS ist, kann davon ausgegangen
werden, dass die PDS alle Initiativen unterstützt, die zur Erfüllung
dieser Forderung führen."
Die Wahlprüfsteine der SchaLL-NRW als pdf-Download
Wahlprüfsteine zur
Landtagswahl NRW 2010 - Die Antworten
Ihr wisst noch nicht, welcher Partei Ihr am 9.
Mai euer Kreuz schenkt? Möglicherweise können die Antworten der Parteien
auf die SchaLL-Wahlprüfsteine Euch eine Entscheidungshilfe sein. Wer
mehr erfahren will, kann alle Antworten der Parteien unten auf unserer
Homepage nachlesen.
Vor der Landtagswahl in NRW haben wir erneut die
Gelegenheit genutzt, um auf die Benachteiligungen der
tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer gegenüber ihren beamteten
Kollegen hinzuweisen. Damit unser Anliegen auf breiter Ebene im Landtag
wahrgenommen wird, wurden unsere Wahlprüfsteine 2010 nicht nur an die
Vorsitzenden und bildungspolitischen Sprecher verschickt, sondern an
einen großen Teil der Landtagskandidaten in allen Regionen unseres
Landes.
Ein Blick in die Aussagen der Parteien aus dem Jahr 2005 macht deutlich,
dass die guten Vorsätze der Parteien nicht immer so nachdrücklich
umgesetzt werden, wie zunächst versprochen. Obwohl wir wissen, welche
Bedeutung den Wahlversprechen im allgemeinen beizumessen ist, meinen
wir, es lohnt sich zu lesen, welche Antworten wir heute bekommen:
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